Vorwarnung einer höheren Macht!

Die Zeit ... ja vor langer Zeit. Ich erinnere mich an meine erste Depression. Meine Eltern waren schuld. Ich spielte mit zwei Freunden, Nachbarjungs, in unserem Sandkasten und so gegen 18 Uhr mussten meine Freunde nach Hause. Hätte ich damals auch direkt ins Haus müssen, wäre alles Folgende nicht passiert! Da ich noch Zeit genug hatte schaute ich ihnen, aus dem Sandkasten heraus, zu, wie sie in Richtung nach Hause liefen. Geblendet von der roten Abendsonne, die direkt über ihrem Weg stand, sah es irgendwie so aus als würden sie in ihr verschwinden, in ihr verschwinden? Waren sie verschwunden, jetzt, eventuell, tatsächlich? Und wenn ich sie nie wieder sehen würde? Da schmerzte es plötzlich sehr in meiner Herzgegend und ich kam sehr, sehr schlecht drauf. Ich fragte mich, kann es sein, dass die Sonne tatsächlich so böse ist. Dieser rote, alles fressende Feuerball wurde mir immer unheimlicher. Ist die liebe Sonne jetzt ganz plötzlich tatsächlich böse geworden? Ich weiß noch, ich hatte schweißnasse Hände. Ich legte die Hände vor die Augen, denn ich wollte die Sonne am liebsten nicht mehr sehen, noch in meiner Nähe haben. Ich dachte sofort darüber nach ob unser Gartenschlauch lang genug ist, dass ich hinrennen könnte, zur Sonne, ja sie auslöschen, sie löschen und meine Freunde da raus holen. Es schmerzte so sehr in meinem Herzen durch diese blöde Geschichte. Aber meine Eltern fragen, ob die Sonne Kinder und Hunde frisst das wollte ich nicht. Nee, dann hätte ich wieder zum Arzt müssen und der hätte wieder eine Stunde lang wissen wollen was und wie ich mich fühle. Eine Stunde, ja so war es das letzte Mal gewesen. Das Einzige was mich interessiert hatte, in dieser Stunde war, ob ich mit seiner Brille auch, wie mit Papas Lupe, Löcher in den Teppich brennen konnte!

Dass damals doch die Möglichkeit bestand, dass die Sonne meine Freunde gefressen hatte verschaffte mir ein sehr großes Unbehagen. Doch wie gesagt, Jemanden zu fragen, vor allem einen von denen, die behaupten ich würde gar zu oft Fantasie und Realität vertauschen, kam nicht in Frage. Nur leider kannte ich keine anderen! Doch da gab es noch dieses süße Mädchen vom Campingplatz. Aber wenn ich ihr zum ersten Kennen lernen so eine Story um die Ohren hauen würde und es stellte sich dann heraus, dass es weder Hand noch Fuß hat... das könnte dann direkt auch das Ende meines Vorhabens sein mit ihr eine tiefe und nicht alltägliche Freundschaft zu führen. Also musste ich einsam und alleine mit der Angst vor der Sonne leben. Was zur Folge hatte, dass ich mich die nächsten drei bis vier Tage, zur Verwunderung meiner Familie, nur noch im Haus und wenn's eben ging in einem Raum mit heruntergelassen Schalosienen aufhielt.

Was na klar einer Erklärung bedurfte. Welche war, dass ich behauptete zwei Architekten belauscht zu haben, die gerade erzählten, dass Fledermäuse nur so gut hören gelernt haben weil sie sich immer im Dunkeln aufhielten und dem zufolge das Gehör auf das Äußerste trainiert wurde. Und das wolle ich auch, mein Gehör trainieren! Und Tatsache, was ich alles für Geräusche einsortieren gelernt hatte, in der Zeit der Angst vor der Sonne.

Ich lernte meine Familienmitglieder zum Beispiel an Hand von Schmatzgeräuschen, Händereiben und Kopfkratzen sowie Magenknurren und Türen schließen zu unterscheiden, selbst wenn ich nur im Nebenzimmer oder auch in dem Zimmer neben dem Nebenzimmer war. Was mir in der Zukunft erstaunliche Vorteile verschaffte.
Nach drei oder vier Tagen hörte ich dann, erlösender weise, die Stimmen meiner zwei potentiell verlorenen Freunde. Die Beiden wollten mich zum Schafbock ärgern mitnehmen! Da versuchte ich auch mit der Sonne wieder meinen Frieden zu schließen!
Aber was wenn meine Angst nur eine Vorwarnung einer höheren Macht war dachte ich so hin und her! So ging ich  dann doch mit etwas Unbehagen und einen Eimer Wasser bewaffnet und der Schweißerbrille die mir mein Opa kurz vor seinem Ableben schenkte
in Richtung Schafwiese.

Überhaupt, war das mit der Schweißerbrille dann doch vielleicht ein Wink von meinem Opa. Bis heute weiß ich nicht genau warum er plötzlich und auch wie abgelebt hatte!!!
Nur erinnere ich mich, wie mein Opa immer über die Felder hinweg in die Abendsonne schaute und der Ausdruck in seinem Gesicht dann so geschmerzt und rührselig war
bis hin dass ihm ein paar Tränen aus seinem und zwar nur aus seinem linken  Auge flossen, denn  seine Ratio war so stark, dass er es selten schaffte sein rechtes Auge zum Tränen zu bringen. Also, außer es kam mal ganz ganz fett, eine richtig hohe Rechnung ins Haus oder der Trecker ging kaputt, dann flossen Tränen aus dem rechten Auge und zwar nur aus dem Rechten.
Bei Dingen die unmittelbar sein Herz berührten wie z.B. wenn er an Omas Grab stand, tropfte es aus dem Linken!
Doch einmal trug es sich zu, dass er auf der Treppe stolperte, mit dem neuen Fernseher in der Hand, dieser dann auf seinen klitzekleinen Rehpinscher "Monro" klatschte und .... beide hin waren! Das hatte ich vorher noch nie gesehen, es knüppelte Salzwasser aus beiden Augen, links und rechts!
 Ich war vielleicht hin und weg über diese drei Ereignisse auf einmal, na das könnt ihr mir glauben!!!

sTs 09



   
Im Mitgefühl einer Marmortreppe

Gestern .... es war unglaublich! Da ich ja nicht von meiner Musik leben kann, habe ich mich selbstständig gemacht im Bereich Haus u. Gartenarbeit. Und gestern habe ich mal wieder Treppenhäuser gewischt und die ganze Zeit schallerte aus der untersten Wohnung meine CD "Verliebt in das alles". Der Hausflur war sehr dreckig und er war von den sieben, die ich an diesem Tag zu machen hatte der letzte.
Es war schon sehr spät, als ich mit diesem Letzten anfing .... ich hatte Hunger und war schlecht gelaunt ... und wusste auch, heute hab ich wieder keine Energie mehr an meiner Musik weiter zu arbeiten, wie meistens nach solchen Arbeitstagen.
Ich machte also die Tür auf und schon kam mir diese, mir sehr bekannte, Musik entgegen "Träumen ist mein Traum" und schob sich unter der Wohnungstür des ersten Stocks hervor. Wo ich nach sechs geputzten Treppenhäusern wirklich von was anderen träumte, als noch ein siebtes zu reinigen. Hat sogar ein bisschen gedauert bis ich mein eigenes Liedgut erkannte. Und dann wurde ein Lied nach dem anderen gespielt, während ich putzte und fegte und Spinnen ihrer Netze beraubte.
Als ich dann auf der obersten Treppe mit meinem Wischeimer stand und Kinderstimmen bei "Schöne Grüße" um die Wette schrien war ich so gerührt, dass mir die Tränen in die Augen schossen, die dann direkt raus und in das Wischwasser fielen mit dem ich dann das Treppenhaus bearbeitete.
Irgendwie schien der Marmor nach dieser Reinigung einen Blaustich angenommen zu haben, wie die Farbe meiner Augen und auch einen Stich Sonne, Neugier und Melancholie strahlte das Treppenhaus plötzlich aus! War das die Art wie eine Marmortreppe Mitgefühl und Sympathie entgegenbrachte?

So komisch das auch klingt ... ich hatte das Gefühl einen Freund gefunden zu haben und freute mich, während ich nach Hause fuhr, schon auf den nächsten Termin an dem ich dieses Treppenhaus zu reinigen hatte.

Als ich das nächste Mal das Treppenhaus betrat, direkt auf der untersten Stufe ... fing es an ... ich hörte einen Bass klingen, all die tiefen Frequenzen von einem meiner Lieder und mit jeder Stufe, die ich nach oben hin betrat, erreichten höhere Klänge meine erstaunten Ohren.
Puh, so gut klang meine Musik noch nie! Das, was wirklich schade war .... und auch ein bisschen beängstigend .... dass nur ich es hörte:-/ Als ich dann mit dem Treppenhaus fertig war hörte ich plötzlich eine steinerne aber auch doch zärtliche und irgendwie gereinigte Stimme.
Sie wies mich in einem sehr höflichen und respektvollen Ton darauf hin, dass ich doch die Treppenstufe und zwar die dritte im zweiten Stock vergessen hätte .... genau als das Gitarrensolo bei "Geh nicht fort" anfing. Klar ging ich bei so höflicher Ansage direkt zu dieser Stufe und wischte sie so super sauber wie selten ... und zwar mit so viel Gefühl und Achtsamkeit wie ich noch nie eine Stufe geputzt hatte.


sTs  09